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Zecken beim Wandern: Risiko, Schutz und richtiges Entfernen

Zecken beim Wandern: Risiko, Schutz und richtiges Entfernen

Von allen Dingen, die man von einer Bergtour mit nach Hause bringt, ist die Zecke die häufigste und die unauffälligste. Sie tut nicht weh, sie fällt oft erst am Abend unter der Dusche auf, und in den allermeisten Fällen passiert nichts.

In den wenigen anderen Fällen kann sie zwei Krankheiten übertragen, von denen eine impfbar ist und die andere gut behandelbar — wenn man sie bemerkt.

Grund genug, das Thema einmal sauber zu sortieren.

Wo das Risiko liegt

Die Höhe ist der wichtigste Faktor. Zecken brauchen eine gewisse Feuchtigkeit und Wärme. In alpinen Höhenlagen ab etwa 1.000 Metern ist das Risiko deutlich geringer, und in den Hochlagen praktisch nicht vorhanden.

Das heißt: Der Gipfelgrat ist unproblematisch. Der Zustieg durch den Mischwald im Tal ist es nicht.

Die Region spielt eine Rolle. In Deutschland gelten seit Februar 2026 185 Landkreise und kreisfreie Städte offiziell als FSME-Risikogebiet — Schwerpunkt in Bayern und Baden-Württemberg, dazu Teile Hessens, Thüringens und Sachsens. Auch große Teile Österreichs und einzelne Regionen der Schweiz gelten als Risikogebiete.

Die Umgebung entscheidet. Zecken sitzen im hohen Gras, im Unterholz, an Waldrändern und auf Lichtungen — nicht auf Bäumen, von denen sie sich fallen lassen. Sie werden im Vorbeigehen abgestreift, meist unterhalb der Knie, und wandern dann nach oben.

Die Jahreszeit: Aktiv etwa von März bis Oktober, mit Schwerpunkt im Frühsommer. In milden Wintern gibt es auch außerhalb dieser Zeit aktive Tiere.

Sonnendurchfluteter Waldweg mit hohem Gras am Rand, typisches Zeckenhabitat
Zecken sitzen im hohen Gras und im Unterholz — der Zustieg durch den Wald ist riskanter als der Gipfelgrat.

Die beiden Krankheiten

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Virusinfektion, die Hirnhaut und Gehirn betreffen kann. Sie ist nicht behandelbar, aber impfbar. Die Übertragung erfolgt sofort beim Stich, weil das Virus in den Speicheldrüsen sitzt — schnelles Entfernen schützt hier also nicht.

Wer regelmäßig in Risikogebieten unterwegs ist, sollte die Impfung mit dem Arzt besprechen. Sie besteht aus drei Teilimpfungen, danach Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre. Für Menschen, die viel im Mittelgebirge und in den Voralpen wandern, ist sie die sinnvollste Einzelmaßnahme.

Borreliose ist eine Bakterieninfektion. Sie ist nicht impfbar, aber mit Antibiotika gut behandelbar. Anders als bei FSME dauert die Übertragung: Die Bakterien sitzen im Darm der Zecke und wandern erst nach Stunden in die Wunde. Schnelles Entfernen senkt das Risiko deutlich — deshalb lohnt das Absuchen am selben Abend.

Schutz vor dem Stich

Vier Maßnahmen, nach Wirksamkeit sortiert:

1. Kleidung. Lange Hosen, Socken über die Hose gezogen (unelegant, wirksam), geschlossene Schuhe. Helle Kleidung, weil man die Tiere darauf sieht. Wer im Zustieg durch hohes Gras muss, zieht dafür lange Hosen an und wechselt später.

2. Auf dem Weg bleiben. Nicht durch hohes Gras und Unterholz streifen. Das ist ohnehin die Regel aus Naturschutzgründen und hilft hier doppelt.

3. Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin, auf Haut und Kleidung. Die Wirkung hält einige Stunden und lässt bei Schwitzen nach — auf einer Tagestour also nachlegen.

4. Absuchen nach der Tour. Der Punkt, den fast alle vergessen. Gründlich, und an den Stellen, die man nicht sieht: Haaransatz, hinter den Ohren, Achselhöhlen, Bauchnabel, Leistengegend, Kniekehlen. Zecken suchen sich warme, dünnhäutige Stellen. Bei Kindern zusätzlich den Kopf absuchen.

Auch die Kleidung durchsehen — Zecken überleben eine Waschmaschine bei niedriger Temperatur.

Richtig entfernen

Die Technik ist einfach, und die verbreiteten Hausmittel sind allesamt schädlich.

So geht es:

  1. Werkzeug nehmen — Zeckenkarte, Zeckenzange oder eine feine Pinzette. Alle drei gehören in die Rucksackapotheke, sie wiegen nichts.
  2. So hautnah wie möglich greifen, am Kopf der Zecke, nicht am vollgesogenen Körper.
  3. Gerade herausziehen, langsam und gleichmäßig. Nicht drehen, nicht ruckeln, nicht quetschen.
  4. Wunde desinfizieren.
  5. Datum und Stelle notieren. Klingt übertrieben, ist aber die Information, die man vier Wochen später braucht.

Was man nicht tun sollte: Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol auf die Zecke geben. All das reizt das Tier, es gibt vermehrt Speichel ab — und damit steigt das Übertragungsrisiko. Ebenso: den Körper quetschen.

Wenn ein Rest steckenbleibt: Der schwarze Punkt in der Haut ist meist kein Kopf, sondern ein Stechwerkzeug. Er stößt sich in der Regel von selbst ab. Wenn er stört oder sich entzündet, zum Arzt — aber kein Grund zur Panik.

Zeckenkarte und Pinzette neben einem Erste-Hilfe-Set auf einem Fels
Zeckenkarte oder feine Pinzette gehören in jede Rucksackapotheke — sie wiegen nichts.

Worauf du danach achtest

Die vier Wochen nach einem Stich sind die relevante Zeit.

Warnzeichen für Borreliose:

  • Eine ringförmige Rötung, die sich um die Einstichstelle ausbreitet und in der Mitte oft blasser wird — die sogenannte Wanderröte. Sie erscheint Tage bis Wochen nach dem Stich und ist das klassische Zeichen.
  • Grippeähnliche Beschwerden ohne Erkältung: Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber
  • Gelenkschmerzen, die neu auftreten

Wichtig: Eine kleine Rötung direkt nach dem Entfernen ist normal — das ist eine Reaktion auf den Stich. Verdächtig ist eine Rötung, die größer wird und sich ausbreitet.

Warnzeichen für FSME: Zunächst grippeähnliche Beschwerden, nach einer beschwerdefreien Phase dann hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, neurologische Ausfälle. Bei diesen Zeichen sofort zum Arzt.

Und in beiden Fällen: Erwähne den Zeckenstich beim Arztbesuch. Das ist der Grund, warum man Datum und Stelle notiert.

Bei Kindern und Hunden

Kinder werden häufiger und an anderen Stellen gestochen — vor allem am Kopf, weil sie kleiner sind und näher am Unterholz. Nach jeder Tour im Wald gründlich absuchen, Haaransatz inklusive. Die FSME-Impfung ist auch für Kinder möglich; das gehört in ein Gespräch mit dem Kinderarzt.

Hunde bringen Zecken mit nach Hause, und zwar reichlich. Sie können selbst an Borreliose erkranken. Zeckenschutz für den Hund gibt es als Halsband, Spot-on oder Tablette — was sinnvoll ist, entscheidet die Tierärztin. Und: Den Hund nach der Tour ebenso absuchen wie sich selbst.

Was das mit der Tourenplanung zu tun hat

Praktisch wenig — Zecken sind kein Grund, eine Tour zu ändern. Aber zwei kleine Anpassungen kosten nichts:

Den Zustieg beachten. Wenn eine Tour zwei Stunden durch Mischwald und hohes Gras führt, ist das der Abschnitt, für den sich lange Hosen und Insektenschutz lohnen.

Die Zeckenkarte einpacken. Sie gehört zur Rucksackapotheke wie das Blasenpflaster — siehe Erste Hilfe am Berg. Eine Zecke unterwegs zu entfernen ist besser, als sie bis zum Abend sitzen zu lassen.

Die anderen Plagegeister

Wenn wir schon dabei sind — vier weitere Begegnungen, die auf Bergtouren vorkommen.

Mücken und Kriebelmücken. Vor allem in feuchten Tallagen und an Seen. Kriebelmücken beißen statt zu stechen und hinterlassen kleine blutende Wunden, die stark jucken. Schutz: dieselben Mittel wie gegen Zecken, dazu lange Kleidung in der Dämmerung.

Bremsen. Lästig, schmerzhaft, hartnäckig — und besonders aktiv bei schwülem Wetter und in Weidenähe. Sie reagieren auf dunkle Kleidung und Bewegung. Helle Kleidung hilft messbar. Der Stich ist unangenehm, aber harmlos, sofern er sauber bleibt.

Wespen und Hornissen. Ein Stich ist normalerweise nur schmerzhaft. Gefährlich wird es bei Stichen im Mund- und Rachenraum oder bei einer bekannten Allergie. Wer eine Insektengiftallergie hat, gehört mit Notfallset in den Rucksack — und die Begleitung muss wissen, wo es steckt und wie es benutzt wird.

Kreuzottern und andere Schlangen. Im Alpenraum gibt es Giftschlangen, aber Bisse sind ausgesprochen selten und fast nie lebensbedrohlich für gesunde Erwachsene. Schlangen sind scheu und weichen aus, wenn sie einen kommen hören. Was hilft: auf dem Weg bleiben, nicht in Felsspalten und unter Steine greifen, feste Schuhe.

Falls doch ein Biss passiert: ruhig bleiben, betroffene Gliedmaße ruhigstellen, nicht aussaugen, nicht abbinden, nicht kühlen — und die 112 rufen.

Was in die Apotheke gehört

Für den Bereich Stiche und Bisse reichen vier Kleinigkeiten, zusammen unter 50 Gramm:

  • Zeckenkarte oder feine Pinzette
  • Desinfektionsmittel
  • Ein juckreizstillendes Gel
  • Persönliches Notfallset, falls eine Insektengiftallergie besteht

Alles Weitere steht im Beitrag zur Erste Hilfe am Berg.

Häufige Fragen

Muss ich die Zecke einschicken oder untersuchen lassen? In der Regel nicht. Ein positiver Nachweis in der Zecke sagt wenig darüber aus, ob eine Übertragung stattgefunden hat, und kann unnötig beunruhigen. Wichtiger ist, die eigenen Symptome zu beobachten.

Wie schnell muss ich sie entfernen? So bald wie möglich. Bei Borreliose steigt das Risiko mit der Saugdauer deutlich, insbesondere nach etwa zwölf bis 24 Stunden. Bei FSME hilft schnelles Entfernen nicht, weil die Übertragung sofort erfolgt.

Schützt die FSME-Impfung auch vor Borreliose? Nein. Zwei verschiedene Erreger. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung — dagegen hilft nur Schutz vor dem Stich und schnelles Entfernen.

Gibt es Zecken auch auf 2.000 Metern? Selten, aber nicht ausgeschlossen. Die Verbreitungsgrenze verschiebt sich mit milderen Wintern nach oben. Der Grundsatz bleibt: Je höher, desto unwahrscheinlicher.

Reichen Hausmittel wie ätherische Öle als Schutz? Ihre Wirkung ist deutlich schwächer und kürzer als die von DEET oder Icaridin. Als alleiniger Schutz in einem Risikogebiet nicht ausreichend.

Kurz gefasst

  • Ab etwa 1.000 Metern sinkt das Risiko deutlich — kritisch ist der Zustieg durch Wald und hohes Gras.
  • In Deutschland gelten 185 Kreise als FSME-Risikogebiet (Stand 2026).
  • FSME: impfbar, nicht behandelbar, Übertragung sofort. Borreliose: nicht impfbar, gut behandelbar, Übertragung dauert Stunden.
  • Schutz: lange Kleidung, auf dem Weg bleiben, DEET oder Icaridin, gründlich absuchen.
  • Entfernen: hautnah greifen, gerade herausziehen, desinfizieren, Datum notieren. Keine Hausmittel.
  • Danach vier Wochen auf sich ausbreitende Rötung und grippeähnliche Beschwerden achten.
  • Zeckenkarte gehört in die Rucksackapotheke.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Zur Impfung und bei Verdacht auf eine Infektion gehört ein Arztbesuch.