Die Solo-Packliste: was zusätzlich mitgeht
Teil 3 von 10 der Reihe Allein am Berg
In einer Gruppe von vier Leuten ist immer irgendwas dabei. Einer hat Blasenpflaster, einer eine Powerbank, einer die Stirnlampe eingepackt, obwohl sie niemand geplant hatte. Man merkt das nie — bis man allein geht und feststellt, wie viel man bisher stillschweigend mitbenutzt hat.
Allein bist du der ganze Rucksack. Das heißt nicht, dass du das Vierfache trägst. Es heißt, dass ein paar bestimmte Dinge dazukommen — und dass zwei davon doppelt vorhanden sein müssen.
Der Grundsatz: Redundanz nur dort, wo der Ausfall die Tour beendet
Alles doppelt mitzunehmen wäre unsinnig und schwer. Die Frage ist nicht „was könnte kaputtgehen", sondern:
Welcher einzelne Gegenstand macht mich handlungsunfähig, wenn er ausfällt?
Bei einer Tagestour allein sind das genau zwei: Licht und das Handy. Alles andere lässt sich improvisieren, umgehen oder aushalten.
- Stöcke brechen? Unangenehm, man geht langsamer.
- Regenjacke reißt? Man wird nass, das ist auszuhalten.
- Trinkflasche verloren? Bis zum nächsten Bach oder zur Hütte.
- Stirnlampe leer, zwei Stunden vor dem Auto, es wird dunkel? Das beendet die Tour an Ort und Stelle.
- Handy kaputt oder leer? Keine Karte, kein Notruf, keine Möglichkeit, dich zu melden.
Deshalb: Diese beiden doppelt. Der Rest einfach.
Was gegenüber der Tagestour dazukommt
Zur üblichen Ausrüstung (siehe Packliste für die Tagestour) kommen diese Dinge:
| Was | Warum allein | Gewicht |
|---|---|---|
| Zweite Lichtquelle | Eine kleine Reservelampe oder Ersatzbatterien | 40–80 g |
| Powerbank + passendes Kabel | Der Akku ist die Lebensader — Karte und Notruf | 200 g |
| Rettungsdecke | Wer wartet, kühlt aus. Wer allein wartet, kühlt länger aus | 60 g |
| Trillerpfeife | Trägt weiter als die Stimme und ermüdet nicht | 10 g |
| Erweitertes Erste-Hilfe-Set | Einhändig bedienbar — dazu Teil 4 dieser Serie | +80 g |
| Zusätzliche Isolationsschicht | Für den Fall, dass aus Gehen Warten wird | 300 g |
| Mehr Verpflegung als geplant | Zwei Riegel, die nicht eingeplant sind | 100 g |
| Etwas Bargeld | Hütte, Bus, Taxi — wenn Karte oder Handy ausfallen | — |
| Zettel mit Notfalldaten | Funktioniert auch bei leerem Handy | 2 g |
Zusammen etwa 800 Gramm bis ein Kilo. Das ist der Preis fürs Alleingehen, und er ist niedriger, als die meisten erwarten.
Die zwei kritischen Punkte im Detail
Licht. Die zweite Lampe muss keine gute sein — sie muss den Weg zwei Meter voraus zeigen, damit du absteigen kannst. Eine kleine Zusatzlampe wiegt 40 Gramm. Wer stattdessen Ersatzbatterien mitnimmt, sollte sie einmal im Hellen gewechselt haben; das im Dunkeln zum ersten Mal zu machen, ist unnötig schwierig. Was sonst zählt, steht im Beitrag Stirnlampe auf Bergtour.
Der Akku. Hier hilft eine klare Rangfolge: Der Akku gehört zuerst dem Notruf, dann der Karte, dann allem anderen. Praktisch heißt das Flugmodus als Standard, Bildschirm dunkel, Karte nur bei Bedarf — und die Powerbank bei Kälte am Körper statt außen am Rucksack. Details im Beitrag Handy am Berg und in Offline-Karten vorbereiten.
Und der Punkt, der die Rangfolge erst sinnvoll macht: Deine Absicherung darf nicht davon abhängen, dass dein Akku hält. Genau deshalb ist es sinnvoll, die Endzeit bei Alpen Buddy schon beim Start zu setzen und nicht erst dann, wenn es knapp wird. Die Uhr läuft danach auf dem Server weiter — unabhängig davon, ob dein Handy noch an ist, Empfang hat oder im Bach liegt. Der Anruf und die Benachrichtigung deiner Leute kommen auch dann, wenn dein Gerät längst aus ist.
Wo du das Gewicht wieder einsparst
Ein Kilo mehr will kompensiert sein. Drei Stellen, an denen es meist geht:
Wasser. Der schwerste Posten überhaupt — ein Liter wiegt ein Kilo. Wer weiß, wo unterwegs eine Hütte oder ein Brunnen liegt, trägt nicht drei Liter durch die Gegend. Das gehört zur Tourenplanung, nicht zum Packen.
Doppelte Kleidungsschichten. Eine warme und eine wasserdichte Schicht, nicht drei Zwischenlagen „für alle Fälle".
Die Kamera. Eine Systemkamera mit Objektiv wiegt so viel wie die gesamte Solo-Zusatzausrüstung. Das ist eine legitime Entscheidung — aber eine bewusste. Mehr dazu im Beitrag Fotografieren am Berg.
Was nicht eingespart wird: die Regenhose, die Isolationsjacke und die Rettungsdecke. Das sind genau die Dinge, die aus einer Wartezeit eine überstehbare Wartezeit machen.
Wo was hingehört
Beim Alleingehen zählt nicht nur, was dabei ist, sondern ob du einhändig und in Eile drankommst.
In die Hosen- oder Jackentasche: Handy, Riegel, Sonnencreme. Was man im Rucksack ausgraben muss, benutzt man unterwegs nicht.
Ganz oben im Rucksack: Regenjacke, Erste-Hilfe-Set, Stirnlampe. In der Gruppe reicht jemand das an; allein musst du den Rucksack absetzen und selbst suchen — bei Regen, im Dunkeln, womöglich mit einer verletzten Hand.
Immer am selben Platz. Das klingt pedantisch und ist der Punkt, der im Ernstfall zählt: Wer weiß, dass das Erste-Hilfe-Set links im Deckel liegt, findet es auch mit einer Hand und ohne hinzusehen.
Nichts Wichtiges außen. Was baumelt, geht verloren.
Die Papiere, die auch ohne Strom funktionieren
Der unscheinbarste Teil der Liste und der, der bei ausgefallenem Handy alles trägt:
- Ein Zettel im Deckelfach mit Name, Notfallkontakt, relevanten Erkrankungen, Medikamenten und Blutgruppe
- Der Notfallpass im Handy ausgefüllt — vom Sperrbildschirm einsehbar, ohne Entsperren
- Ausgedrucktes Kartenblatt oder eine Papierkarte
- Notrufnummern auf Papier: 112, die örtliche Bergrettung, die Hütte auf der Strecke
Was in den Notfallpass gehört, steht im Beitrag Wandern mit Vorerkrankung; zu den Nummern siehe Notruf am Berg.
Was sich je nach Jahreszeit ändert
Die Liste oben gilt für eine Tagestour im Sommer. Drei Anpassungen:
Frühjahr und Frühsommer. In Nordhängen und Rinnen liegt oberhalb von etwa 2.000 Metern noch Altschnee. Grödel und Gamaschen kommen dazu — und wer sie nicht dabeihat, muss vor einem harten Schneefeld umkehren, siehe Altschnee im Frühsommer.
Hochsommer. Mehr Wasser, mehr Sonnenschutz. Der Wasserbedarf ist allein derselbe wie in der Gruppe — nur trägt ihn niemand mit.
Herbst und Winter. Die Tage werden kurz, die Stirnlampe wechselt vom Sicherheitsgegenstand zum benutzten Ausrüstungsteil. Dazu eine wärmere Schicht: Wer allein auf Hilfe wartet, wartet länger als jemand in der Gruppe, und Kälte ist dabei die eigentliche Gefahr.
Genau deshalb lohnt es sich, die Endzeit im Winter enger zu setzen als im Sommer. Nicht weil die Tour gefährlicher wäre, sondern weil die Zeitspanne, die man im Freien überstehen kann, kürzer ist — und weil eine Rettung bei Dunkelheit und Kälte länger dauert.
Häufige Fragen
Ist das nicht übertrieben für eine Halbtagestour? Die zweite Lampe und die Rettungsdecke wiegen zusammen 100 Gramm. Bei einer Halbtagestour auf einem begangenen Weg kann man über den Rest reden — über diese beiden nicht.
Brauche ich ein Satellitengerät? Für Touren in erschlossenen Alpenregionen in der Regel nicht. In abgelegenen Gebieten, im Winter und außerhalb der Alpen ist es ein ernsthaftes Argument — siehe Notruf ohne Empfang.
Reicht die Powerbank im Rucksack? Bei Wärme ja. Bei Kälte gehört sie in die Innentasche der Jacke, sonst gibt sie einen Teil ihrer Kapazität nicht her.
Was ist mit einem Erste-Hilfe-Set von der Stange? Als Grundlage in Ordnung, aber die meisten sind auf Pflaster ausgelegt. Was allein zusätzlich hineingehört, steht in Teil 4 dieser Serie.
Wie schwer darf der Rucksack insgesamt sein? Für eine Tagestour allein sind 7 bis 9 Kilo inklusive Wasser ein guter Wert. Darüber wird der Abstieg unnötig belastend.
Kurz gefasst
- Allein gibt es keinen zweiten Rucksack, aus dem etwas nachkommt.
- Redundanz nur bei Licht und Handy — die beiden Ausfälle, die die Tour beenden.
- Zusatzausrüstung wiegt zusammen etwa 800 g bis 1 kg.
- Gewicht wieder einsparen bei Wasser, Kleidungsschichten, Kamera — nicht bei Regenhose und Rettungsdecke.
- Erste Hilfe und Regenjacke nach oben, immer an denselben Platz.
- Zettel mit Notfalldaten funktioniert auch ohne Strom.
- Die Endzeit beim Start setzen: Sie läuft weiter, auch wenn dein Akku es nicht tut.