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Notruf am Berg: Nummern, Ablauf und was du sagen musst

Notruf am Berg: Nummern, Ablauf und was du sagen musst

Die meisten Menschen setzen in ihrem Leben nie einen Bergnotruf ab. Und genau deshalb lohnt es sich, den Ablauf einmal in Ruhe gelesen zu haben — statt ihn im Ernstfall zum ersten Mal zu improvisieren, mit Adrenalin im Blut und 12 Prozent Akku.

Die Nummern

112 ist die europaweite Notrufnummer. Sie funktioniert in allen EU-Ländern und der Schweiz, von jedem Handy, und sie ist immer richtig. Wenn du dir nur eine Zahl merkst, dann diese.

Daneben gibt es regionale Nummern, die dich manchmal schneller an die richtige Stelle bringen:

Region Nummer Anmerkung
Überall in Europa 112 Immer richtig, immer zuerst
Österreich 140 Alpinnotruf der Bergrettung
Südtirol / Italien 112 Einheitliche Leitstelle
Schweiz 1414 Rega (Luftrettung), zusätzlich 112
Schweiz (Wallis) 144 Dort ist Air Zermatt zuständig

Wichtig zu wissen: Die 112 erreichst du auch dann, wenn dein eigener Mobilfunkanbieter kein Netz hat — dein Handy nutzt dafür jedes verfügbare Netz. Auf einem gesperrten Handy ist der Notruf ebenfalls immer wählbar.

Die fünf W — was die Leitstelle braucht

Bleib ruhig und sprich langsam. Die Leitstelle führt dich durch das Gespräch, aber du sparst wertvolle Zeit, wenn du diese fünf Punkte parat hast:

1. Wo? Der mit Abstand wichtigste Punkt. Nicht „am Wilden Kaiser", sondern so genau wie möglich: Koordinaten aus der Karten-App, Name des Wegs, Nummer des nächsten Wegweisers, markanter Punkt in Sichtweite, ungefähre Höhe. Wenn du Koordinaten durchgibst, sag dazu, in welchem Format sie stehen.

2. Was ist passiert? Sturz, Erschöpfung, Blockierung im Steilgelände, Wetterumschwung. Ein Satz reicht.

3. Wie viele Betroffene? Und in welchem Zustand — ansprechbar, atmend, bewegungsfähig?

4. Welche Verletzungen? Grob genügt: Bein, Kopf, bewusstlos, unterkühlt.

5. Warten auf Rückfragen. Leg nicht auf. Die Leitstelle beendet das Gespräch. Und halte das Telefon danach frei und eingeschaltet — es wird zurückgerufen.

Zusätzlich hilfreich, wenn ihr auf einen Hubschraubereinsatz zusteuert: Wie ist das Wetter vor Ort? Gibt es Wind, Nebel, Wolkenuntergrenze? Gibt es eine Landemöglichkeit oder hängt ihr im Steilgelände?

Hand hält ein Handy mit Kartenansicht vor einem felsigen Berghang
Der Ort ist die wichtigste Angabe — nachschauen, wo die Koordinaten in deiner App stehen, bevor du sie brauchst.

Wenn du keinen Empfang hast

Das ist der Fall, vor dem sich alle fürchten — und er ist beherrschbar.

Zuerst: Notruf trotzdem versuchen. Wie gesagt wählt sich das Handy dafür in jedes erreichbare Netz ein. „Kein Netz" auf dem Display heißt nicht „kein Notruf".

Ein paar Meter machen den Unterschied. Ein Stück auf den Grat, aus der Rinne heraus, auf einen Vorsprung — Empfang ist im Gebirge extrem kleinräumig. Bewege dich dabei nur, wenn es gefahrlos möglich ist.

Notruf per Satellit. Aktuelle iPhones (ab iPhone 14) und viele neuere Android-Geräte können einen Notruf über Satellit absetzen, wenn kein Mobilfunk verfügbar ist. Das funktioniert nur mit freier Sicht zum Himmel und will vorher einmal ausprobiert sein — beide Systeme haben eine Übungsfunktion.

Das alpine Notsignal. Das klassische, immer funktionierende Verfahren:

Sechsmal pro Minute ein Signal — sichtbar oder hörbar. Also alle zehn Sekunden einmal rufen, pfeifen oder mit der Lampe blinken. Dann eine Minute Pause. Und wieder von vorn.

Die Antwort lautet dreimal pro Minute. Wer das hört, weiß: Hilfe hat dich wahrgenommen und ist unterwegs.

Akku sparen. Flugmodus an, Display dunkel, Handy warm am Körper tragen — Kälte halbiert die Kapazität. Alle 20 bis 30 Minuten kurz aus dem Flugmodus, um einen Verbindungsversuch zu machen.

Rettungshubschrauber im Anflug über einem Bergkamm, noch klein am Himmel
Ob geflogen werden kann, entscheidet das Wetter vor Ort — deshalb fragt die Leitstelle danach.

Wenn der Hubschrauber kommt

Zwei Zeichen, die jeder kennen sollte, weil sie aus der Luft eindeutig sind:

  • Beide Arme schräg nach oben, ein Y — „Yes, wir brauchen Hilfe."
  • Ein Arm hoch, ein Arm runter, ein N — „No, wir brauchen keine Hilfe."

Sonst gilt: Alles Lose sichern, was der Rotorabwind wegwehen kann. Abstand halten, dem Hubschrauber nicht entgegenlaufen, und den Anweisungen der Crew folgen.

Der Anruf, der niemals kommt

Es gibt eine Situation, in der all das nicht hilft: Du bist gar nicht in der Lage anzurufen. Bewusstlos, Handy zerstört, Akku leer, in einer Rinne ohne Netz.

Dann entscheidet nur noch eines darüber, wann Hilfe kommt: ob jemand merkt, dass du überfällig bist. Und das ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung, die du vor der Tour triffst.

Deshalb funktioniert Alpen Buddy von der anderen Seite her. Du hinterlegst beim Start deiner Tour eine Endzeit. Verstreicht sie, ruft dich zuerst ein Sprachassistent an — bist du nur länger unterwegs, verlängerst du im Gespräch. Meldest du dich nicht, werden die von dir festgelegten Menschen alarmiert, und zwar mit dem, was die Leitstelle als Erstes wissen will: wo du hinwolltest und wo du zuletzt warst.

Das ersetzt keinen Notruf. Aber es sorgt dafür, dass einer abgesetzt wird, auch wenn du es nicht mehr kannst.

Zum Merken

  • 112 überall in Europa. Österreich zusätzlich 140, Schweiz 1414.
  • Die fünf W: Wo, Was, Wie viele, Welche Verletzungen, auf Rückfragen warten.
  • Der Ort ist das Wichtigste. Koordinaten vorher wissen, wo sie in deiner App stehen.
  • Nicht auflegen, Telefon danach frei halten.
  • Kein Netz? Notruf trotzdem versuchen, Standort leicht verändern, Satellitennotruf, alpines Notsignal: sechsmal pro Minute.
  • Und vorher: Jemandem sagen, wann du zurück sein willst.